Oft lassen sich Werkstoffe nicht "von der Stange" bestellen,
sondern erfordern umfangreiches Know-How und ein Team an erfahrenen
Ingenieuren, damit spezielle Kundenanforderungen umgesetzt werden
können. Das österreichische Unternehmen faigle Kunststoffe
unterstreicht mit einer innovativen Werkstofflösung für die
Fördertechnik einmal mehr seine Kompetenz in der
Kunststofftechnologie.
Überall dort, wo unzählige Paletten, Pakete oder
Kunststoffbehälter mit hoher Geschwindigkeit auf langen Wegen durch
die Lagerhallen transportiert werden müssen, sind
Kunststoffgleitleisten die optimale Wahl zur Führung der
Rollenketten. Um einen verschleiß- und geräuscharmen Betrieb der zu
führenden Rollenketten zu gewährleisten, verwenden viele Hersteller
automatisierter Förder- und Lageranlagen Kunststoffgleitleisten,
welche sich vor allem durch ihren geringen Reibungskoeffizienten
und ihre hohe chemische Beständigkeit auszeichnen. Als gängigstes
Gleitleistenmaterial wird das UHMW-Polyethylen verwendet. Dieser
Werkstoff verfügt über ein gutes Gleitverhalten, geringen
Reibwiderstand, geringen Verschleiß und ist z.B. auch für die
Lebensmittelindustrie zugelassen. Einziger Nachteil - die
Druckfestigkeit dieses Werkstoffes. Will man z.B. Gitterboxen mit
bis zu 1.000 kg oder Paletten mit bis zu 1.500 kg transportieren,
werden dem Hersteller von Förderanlagen schnell die Grenzen dieses
Standardwerkstoffes aufgezeigt. Das soll heißen, dass durch die
hohen Belastungen des schweren Förderguts die Rollen sehr tief in
die Gleitleisten gedrückt werden. Durch dieses Eindrücken entsteht
ein Walkeffekt in der Kunststoffleiste, welcher zu Ausbrüchen bis
hin zum Wegschmelzen der Gleitleiste führen kann und somit ein
Versagen des Systems zur Folge hat.
Der richtige Werkstoff
Seit jeher legt man bei faigle Kunststoffe großen Wert auf die
intensive Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden um frühzeitig zu
erkennen, was die Märkte fordern und welche Anforderungen an die
Werkstoffe gestellt werden - um stets die richtige Lösung anbieten
zu können. In diesem speziellen Fall musste ein Werkstoff gefunden
werden, der einerseits diese hohen Druckbelastungen auf Dauer stand
hält und andererseits die "Musskriterien" wie Gleiteigenschaften,
Reibwiderstand, Verschleiß und Dimensionsstabilität erfüllt.
Gemeinsam mit einem namhaften Fördertechnikhersteller wurde
daraufhin ein Testaufbau eines Kettenförderers aufgebaut, um
praxisnah und ohne Verfälschung der Ergebnisse mit den
unterschiedlichsten Materialien unzählige Tests und Versuche
durchführen zu können. Aufgrund der Zähigkeit und Druckfestigkeit
war schnell klar, dass die faigle Spezialentwicklung PAS 60 X, PAS
60 X modifiziert und PAS 80 X die idealen Basiswerkstoffe für die
Gleitleisten waren. Dieses mit Trockenschmierstoff ergänzte
Polyamid wurde dann zusätzlich noch mit Glaskugeln, Glasfasern und
Kohlefasern in den verschiedensten Zusammensetzungen modifiziert,
um die Druckfestigkeit und Steifheit nochmals zu erhöhen. Aufgrund
der Tatsache, dass bei faigle Kunststoffe alle Werkstoffe selber
compoundiert werden, konnte sich das Unternehmen so relativ schnell
und einfach durch eine Vielzahl unterschiedlichster Modifizierungen
an ein Optimum herantasten und schlussendlich eine ideale
Materialmischung für diese hohen Belastungen finden. Dieser neue
Werkstoff hat zudem gegenüber dem Standardwerkstoff den erheblichen
Vorteil, dass die thermische Längendehnung um die Hälfte reduziert
werden konnte und somit auch bei größeren Temperaturschwankungen
kleinere Spaltmaße realisierbar sind.
Fazit
Mit einem modifizierten Polyamid wurde ein Material für die
Gleitleisten gefunden, das den höchsten
Druckbelastungsanforderungen entspricht und somit den Förder- und
Lagertechnikherstellern eine Fülle von neuen
Anwendungsmöglichkeiten bietet. Möglich wurde diese Innovation
durch eine intensive Zusammenarbeit mit einem Kunden und dem
Streben von faigle Kunststoffe, mit ihren Partnern gemeinsam
Erfolge zu erzielen, neue Lösungen zu finden und die vorhandenen
Werkstoffe ständig zu verbessern und zu optimieren.
Vorteile gegenüber herkömmlichen Standardgleitleisten:
- Druckfestigkeit um ein Vielfaches höher
- Geringer Verschleiß und niedriger Reibwert
- Geringere thermische Längendehnung
- Höhere Dauergebrauchstemperatur
- Geringerer Anfahrwiderstand und energieeffizient